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KANADA

Prince Edward Island oder PEI 
Die Macher des Golfpunkmagazines auf Entdeckungstour
 
Gibt es einen Ort auf dieser Welt, an dem die Golfplätze so reizvoll wie in Schottland, der Sommer so angenehm wie am Bodensee und die Preise so lachhaft niedrig wie in Bulgarien sind? Ja, diesen Ort gibt es, und auch wir haben ihn gerade erst entdeckt.

Chefredakteur Götz klingt erwartungsvoll am Telefon: „Zück’ mal deinen Kalender! In zwei Wochen fliegen wir für zwölf Tage nach Prince Edward Island. Was man so hört, müssen die Plätze da drüben phantastisch sein.“

„Da drüben …“, geht es mir durch den Kopf, „wo das wohl sein mag?“ Ohne Lust, diese geographische Bildungslücke offen zur Schau zu stellen, murmle ich etwas wie: „Prince Edward Island? Cool, da wollte ich immer schon mal hin“, und versuche gleichzeitig, den gerade zum ersten Mal im Leben gehörten Namen irgendwo auf dem Globus unterzubringen. „Klingt irgendwie nach Karibik …“, und in Gedanken packe ich schon mein Strandtuch und Badesachen ein. „Tu nicht so, als ob du wüsstest, wo das liegt“, lacht es hämisch aus dem Hörer. „Ich hatte auch keine Ahnung! Zur Info: PEI, wie die Einheimischen sagen, ist eine Insel an der kanadischen Ostküste.“ „Also doch keine Badehose, sondern Windbreaker und Pullover“, denke ich mir. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen soll …

Zwei Wochen später sitzen zwei GolfPunk-Redakteure an Bord einer Air Canada Boeing nach Montreal, von wo aus es nur noch ein Katzensprung in einem kleinen Jet nach Charlottetown, der Hauptstadt der Insel, ist. Keiner von uns beiden war bisher in Kanada und unsere Erwartungen sind dementsprechend dilettantisch. Sehen die Kanadier wirklich aus wie in South Park? Hatte Homer Simpson recht, als er sich darauf freute, mit seiner Familie nach Kanada zu fahren: „Juhu, wir verlassen die USA, um USA-Junior im Norden zu besuchen!“? Die Antworten nach zwölf Tagen intensiver Recherche lauten wie folgt: Nein und Ja.

South-Park-Kopfformen konnten wir keine finden und zu unserer Enttäuschung auch keine Bären. Die Nähe zu den USA (Boston liegt nur eine Tagesfahrt mit dem Auto entfernt) ist jedoch allgegenwärtig. Die Pick-ups der Einheimischen lassen unseren japanischen Mietwagen lächerlich klein aussehen und global operierende Fastfood-Ketten finden sich an jeder Strassenecke. Der Kanadier liebt ganz offensichtlich Sandwiches, denn die Dichte der Subway-Filialen auf dieser Insel mit lediglich 140.000 Einwohnern ist höher als in einer deutschen Grossstadt. Eigentlich wäre das nicht weiter erwähnenswert, auf PEI gibt es jedoch das Lobstersub! Allein wegen dieses Snacks lohnt sich ein Urlaub hier, denn für die Menge Hummerfleisch, mit der dieses Sub belegt ist, müsste man in Deutschland schon 15 € auf den Tisch legen. Seafood-Liebhaber kommen hier also sogar in Fastfood-Schuppen auf ihre Kosten, leicht vorstellbar also, was anständige Restaurants wie das Dayboat in Oyster Bay Bridge oder eines der unzähligen Lobster Suppers an der Küste zu bieten haben. Einfach fantastisch! Wir sind jedoch hier, um Golf zu spielen, und unser Zeitplan sieht eine Runde pro Tag für den gesamten Aufenthalt vor. Mögen die Spiele beginnen!
 
STANHOPE
Für die erste Woche beziehen wir Quartier im Stanhope Beach Resort, einem Strandhotel an der Grenze zum Nationalpark von PEI, von wo aus nahezu alle Golfplätze der Insel in unter einer Stunde erreichbar sind. Zu jedem Zimmer gehört eine eigene Terrasse mit Blick auf eine Bucht und auch die Infobroschüren auf dem Nachttisch lassen Spektakuläres erwarten. Eine zweistellige Zahl von Golfplätzen auf dieser Insel soll das Prädikat „outstanding“ tragen. Eagles Glenn, der erste Platz auf unserer langen Liste, die es in den nächsten knapp zwei Wochen abzuspielen gilt, empfängt uns schon vor der Einfahrt mit typisch kanadischer Gastfreundschaft. „Special Offer: 2 Greenfees = 99 $“, versucht ein grosses Schild Laufkundschaft von der Strasse anzulocken. Bevor wir den ersten Ball geschlagen haben, dämmert uns, dass es auf PEI um das Preis-Leistungsverhältnis nicht schlecht bestellt ist. 99 kanadische Dollar entsprechen einem Gegenwert von etwa 63 € und schon nach neun Löchern in Eagles Glenn sind wir uns einig, dass wir nirgendwo in Europa einen Platz dieser Qualität finden könnten, der uns für lächerliche 30 € Greenfee eine Runde drehen liesse. Optisch ist Eagles Glenn exakt das, was wir uns unter einem Golfplatz in Kanada vorgestellt hatten. Die Spielbahnen verlaufen durch hügliges Gelände, manche davon durch dichten Wald, andere über offene, völlig dem teilweise richtig starken Wind ausgesetzte Anhöhen. Dass einer unserer Mitspieler mit Linkshänderschlägern spielt, uns während der Runde allerdings erzählt, ausserhalb des Golfplatzes wäre er Rechtshänder, gibt uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken.

Zurück in Stanhope ärgere ich mich schon am zweiten Abend, das Klima hier völlig falsch eingeschätzt zu haben. All die Windjacken und Pullover, die in meinem Koffer den leichten Sommerklamotten den Platz weggenommen haben, sind völlig fehl am Platze. Der Sommer hier an der kanadischen Ostküste ist heiss, aber niemals unangenehm drückend. Wie es sich für eine Insel gehört, kann man allerorts das Meer schmecken und ein allgegenwärtiger Wind lässt auch Temperaturen jenseits der 30 ° angenehm erscheinen. Nur wenige Minuten Fussmarsch hinter unserem Hotel befindet sich Brackley Beach, einer der schönsten Strände der Insel mitten im Prince Edward Island National Park. Eine etwa sieben Meter hohe Brücke dient als Sprungbrett ins Meer und nach 18 Löchern unter sengender Sonne habe ich in diesem Moment auf nichts mehr Lust als auf diesen Sprung. Einen Augenblick überlege ich mir, auf die vergessenen Shorts zu pfeifen und einfach ohne ins Meer zu springen, aber FKK war noch nie mein Ding und im prüden Nordamerika kommt Nacktbaden am helllichten Tag nicht gut an. Die Landschaft, das Meer und der Strand erinnern stark an Sylt oder auch Long Island. Einziger Unterschied sind die Preise der Fischrestaurants in den Dünen, die einen darüber nachdenken lassen, vielleicht auch zum Frühstück schon einen Hummer zu verputzen.

Am nächsten Morgen warten wir am ersten Abschlag des Anderson Creek Golf Clubs auf unseren Mitspieler und was da den Weg zum Tee entlangschlendert, sieht aus wie der Prototyp eines kanadischen Eishockeyspielers: gedrungene Figur, breites Kreuz. Lediglich die Tatsache, dass Alex, wie er sich uns vorstellt, scheinbar noch über alle Zähne verfügt, passt nicht so ganz in dieses Bild. „Dieser Typ ist sicher verdammt lang“, orakelt Götz und keine Minute später sollte sich diese Annahme eindrucksvoll bewahrheiten. Mit einem Geräusch, wie wir es von einem Driver noch nie gehört haben, drischt Alex auf seinen Ball, der augenblicklich in der Stratosphäre verschwindet. Dass dieser Ball wahrscheinlich 300 Meter links, ausserhalb des Golfplatzareals irgendwo auf einem Kartoffelfeld landen wird, schmälert unser Staunen nur geringfügig. „DAMMIT, ich bin noch ganz kalt“, flucht Alex in einer sonderlichen Mischung des hier auf PEI gesprochenen Inselkauderwelschs mit eindeutig schottischen Einschlägen. „Aber wenn ich das heute noch in den Griff bekomme, könnt ihr euch auf eine Show gefasst machen. Ich habe schon mehr als die Hälfte der Par-4-Bahnen mit dem Abschlag erreicht.“ Mir stockt der Atem und ein Blick Richtung Götz zeigt mir, dass er sich in diesem Moment die gleiche Frage stellt: „Long Drive Champion oder Grossmaul?“. Als auf der zweiten Bahn, einem 317 Meter langen Par 4, Alex’ Drive 5 Meter rechts vom Grün, aber – viel wichtiger – Pin-high landet, ist diese Frage geklärt: Wir sind offiziell beeindruckt.

Auch Alex spielt mit Linkshänderschlägern. Als er seine astronomisch hohen Scores – schliesslich landet jeder zweite Abschlag irgendwo ausserhalb des Platzes – auf seine Scorekarte kritzelt, fällt jedoch wieder einmal auf, dass er mit rechts schreibt. In all den Jahren, die wir uns nun mit diesem Sport beschäftigen, ist uns nur ein Golfer zu Gesicht gekommen, der zwar Rechtshänder ist, aber andersherum Golf spielt: Phil Mickelson. Und hier in Kanada haben wir schon nach drei Tagen zwei weitere Exemplare dieser raren Spezies ausgegraben? Die Erklärung für dieses Phänomen ist eben so simpel wie einleuchtend. „Hockey hat bei uns in etwa den Stellenwert, den bei euch in Europa Fussball geniesst“, erklärt Alex. „Vielleicht ist Hockey hier sogar noch grösser. Das ist unsere Religion und jeder spielt es. Ob man den Schläger links- oder rechtsherum hält, hat nichts damit zu tun, mit welcher Hand man schreibt, und da viele Hockeyspieler Linksausleger sind, greifen die meisten dieser Jungs auch auf dem Golfplatz zu Linkshänderschlägern.“
Glaubwürdigen Schätzungen führender Schlägerhersteller zufolge spielen etwa 40 % aller kanadischen Golfer mit Linkshänderequipment, was Kanada zum unangefochten grössten Markt für Linkshänderschläger weltweit macht. Auf das Design der Golfplätze hat diese erstaunliche nationale Eigenart, wie Alex uns bestätigt, allerdings keine Auswirkung. Obwohl die Mehrheit deutlich knapper ausfällt, werden auch hier die Golfplätze für Rechtshänder geplant und gebaut.

In den darauffolgenden Tagen spielen wir uns kreuz und quer über die Insel und überall, wo wir unsere Tees in den Boden drücken dürfen, sind wir begeistert. In Fox Meadow begleiten uns braune Füchse über die Spielbahnen und schauen uns interessiert beim Putten zu – ein fast vollwertiger Ersatz für die fehlenden Bären – und auch Glasgow Hills macht seinem Namen alle Ehre. Dramatische Höhenunterschiede machen diesen Platz zu einem wahren Abenteuer.

Das Highlight unserer ersten Woche auf PEI ist aber ohne Zweifel The Links at Crowbush Cove. Gelegen an der Nordküste der Insel wurde Crowbush im Eröffnungsjahr 1994 als „Best New Course“ in Kanada ausgezeichnet. Die 18 Bahnen sind eine gelungene Mischung aus von Bäumen flankierten Löchern durch dichten Mischwald und völlig dem Wind ausgesetzten Linksbahnen inmitten beeindruckender Dünen. Höhepunkte bietet der Links in Crowbush jede Menge, vor allem aber die Par-3-Löcher bleiben in Erinnerung. Die Acht (171 Meter von den Back-Tees) wirkt wie eine gezähmte Version der 17 des weltberühmten Ocean Course auf Kiawah Island und auch die 17 in Crowbush vergisst man trotz ihrer eigentlich lachhaften Länge von gerade einmal 103 Metern nicht so schnell. Auf der Driving Range warten zu Pyramiden aufgeschichtete nagelneue Rangebälle, das auf einer Anhöhe gebaute Restaurant bietet einen sagenhaften Blick über den Golfplatz und das Meer und das Cartgirl schaut unglaublicherweise alle vier Löcher vorbei und versorgt die Spieler mit eiskaltem Gatorade. Kurzum – der Service ist perfekt.

Gerade als wir denken, dieser Golftag könnte gar nicht mehr besser werden, klingelt das Handy des Chefs und Alex, unser „Ich drive jedes zweite Par 4“-Mann überschlägt sich fast: „Euer Magazin ist einsame Spitze und übermorgen steigt die Eröffnung des Green Gables Golf Course. Dieser Golfplatz wurde 1939 von Stanley Thompson designet und zählte immer schon zu den besten in Kanada. Die letzten eineinhalb Jahre wurde er komplett überarbeitet und ist nun besser denn je. Wir wollen GolfPunk bei der Eröffnung dabeihaben. Die gesamte Prominenz der Insel wird am Start sein. Was sagt ihr dazu?“ „Scheisst der Papst in den Wald? Natürlich sind wir da …“ Ob er das mit dem Papst verstanden hat?

CHARLOTTETOWN
Nach einer Woche im Stanhope Beach Resort verlegen wir unseren Wohnsitz ins historische Zentrum von Charlottetown. Unser Domizil für die nächsten Tage ist ein liebenswertes, altehrwürdiges Boutique-Hotel namens The Great George, dessen Zimmer allesamt mit unzähligen Antiquitäten individuell eingerichtet sind, im Gegensatz dazu aber auch über einen riesigen Flatscreen, einen Kamin, in dem auf Knopfdruck die Flammen züngeln, und einen grossen Jacuzzi verfügen. Ein fernbedienbarer Kamin und ein Jacuzzi, das mag zwar ein wenig nach 70er–Jahre-Bräuteabschleppschuppen klingen, entpuppt sich am späten Abend nach 18 Löchern Golf jedoch als absolute Wohltat.

Nach Tagen der völligen Ruhe und Entspannung in Stanhope ist Charlottetown eine willkommene Abwechslung. Mit 32.000 Einwohnern ist diese Stadt mit Abstand die grösste Ansammlung von Menschen auf dieser Insel und hat trotz ihrer überschaubaren Grösse einiges zu bieten, um die freie Zeit zwischen den Golfrunden totzuschlagen. Es gibt unzählige Kneipen, ein grosses Theater, eine Mall und eine Trabrennbahn, auf die uns unser Local Barry unbedingt mitnehmen will. Zunächst skeptisch gegenüber dieser Abendplanung, die wir eigentlich eher einer Rentnergruppe zugetraut hätten, verfliegen unsere Vorurteile schnell, als wir merken, wie viele Dollars wie für ein paar unserer Euros bekommen, und realisieren, dass es nicht im finanziellen Ruin enden muss, ein Vielfaches dessen auf die im Kreis rennenden Pferde zu setzen, als es unsere Begleiter tun. „Schaut euch die Europäer an! Unsere Dollars müssen ihnen wie Spielgeld vorkommen“, grinsen unsere Gastgeber und bleiben beim Minimaleinsatz von zwei Dollar. Unter 20 Dollar fangen wir erst gar nicht an zu wetten und gewinnen sogar bei den ersten drei Rennen. Das Adrenalin fliesst, der Übermut nimmt zu und wir setzten alles auf einen Gaul mit dem Namen „U Da Man Dude“, der natürlich prompt als Letzter durchs Ziel geht, womit all unser gewonnenes Geld futsch ist. Was will man auch erwarten bei solch einem bescheuerten Namen?

Die Platzeröffnung in Green Gables ist ein gesellschaftliches Ereignis. Der lokale Bautycoon, Financier des gesamten Umbaus, hat die Ehre, den goldenen Ball vom ersten Tee zu schlagen, und slicet diesen formvollendet in den Wald. Alex, wie sich nun herausstellt Sohn des Slicers, hält eine flammende Rede über die Geschichte des Golfplatzes und darüber, welchen Stellenwert er in nach diesem Komplettfacelift wieder in der kanadischen Golfszene haben wird, und lässt sich nicht davon abhalten, uns als Vertreter der internationalen Presse vorzustellen, die extra angereist sind, um diesem Event beizuwohnen. Sofort sind wir der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und der Reporter des Guardian, der Tageszeitung auf PEI, wittert eine Sensationsstory für sein Lokalblatt. Ohne ein Interview lässt er uns nicht aufs erste Tee und es ist eine spassige Erfahrung, einmal selbst befragt zu werden, wo wir doch sonst immer auf der anderen Seite stehen.

Als die Presse ihr Material hat, können wir endlich abschlagen und haben die Ehre, als Erste einen Platz zu spielen, über den seit eineinhalb Jahren kein Golfer mehr geschritten ist. Divots sucht man vergebens, die Bunker sind gefüllt mit feinstem, weil nagelneuem Sand und die Grüns wissen noch nicht, was Pitchmarken sind. An einigen Stellen lässt es sich zwar nicht übersehen, dass dieser Platz noch ein wenig Zeit braucht, bis er in voller Blüte stehen wird, aber spätestens zur nächsten Golfsaison wird Green Gables in absolutem Topzustand sein und zu Kanadas besten Golfplätzen zählen. Der Verlauf der Bahnen durch dichten Wald und entlang der Buchten bei Carvendish hat in den 69 Jahren seines Bestehens nichts an Schönheit und Brillanz verloren und verbindet sich nun mit hochmodernem Bunker- und Gründesign zu einem Golfplatz der Extraklasse. Nach 18 atemberaubenden Löchern sind wir uns einig, den zukünftig besten Golfplatz auf PEI gespielt zu haben, und machen uns über das Buffet her, das zur Feier des Tages im Clubhaus aufgebaut ist, denn der Abend verspricht mehr flüssige als feste Nahungsmittel – eine Tour durch Charlottetowns bunte Szene kleiner Pubs steht an.

»Abseits der Trampelpfade des internationalen Golftourismus haben wir eine Destination der Superlative entdeckt.«

Im historischen Distrikt finden sich viele Kneipen, die hervorragende lokale Biere ausschenken. Das beste darunter: die Gahan Brewery, wo selbst gebrautes dunkles Ale und Stout gezapft werden. Jeder, der durch die Eingangstür des Gahan Brew tritt, kann sich glücklich schätzen, dass die Heimwege in dieser Stadt niemals lang sind. Das Frühstück am nächsten Morgen nehmen wir nach diesem Abend ein wenig verlangsamt wahr, ein Blick in den Guardian macht uns jedoch schnell wieder munter. Die „German Writers“ haben es, wir können es kaum glauben, auf die Titelseite geschafft.

Noch eine letzte Runde Golf steht aus; der Name des Platzes war uns während unserer Zeit auf der Insel immer wieder begegnet: Dundarave Golf Course. Mit Jack Nicklaus und Tom Watson haben schon Legenden des Spiels diesem 1999 eröffneten Monster von einem Golfplatz die Ehre erwiesen und wie schon die alten Herren vor uns merken auch wir schnell, was die Stunde in Dundarave geschlagen hat. Gelände stand beim Design dieser 18 Löcher genügend zur Verfügung und so schlängeln sich die Spielbahnen in einer endlos erscheinenden Schleife den Brudenell River entlang. Dundarave ist lang und die Strecken zwischen den Bahnen sind teilweise so weit, dass auch eingefleischte Golfcart-Verweigerer hier über ein Gefährt nachdenken sollten. Was Dundarave allerdings zwischen Abschlägen und Grüns zu bieten hat, ist spektakulär. Jede Bahn liegt allein und völlig isoliert in einer fast schon beklemmend abgeschiedenen Landschaft und kaum hat man die erste Spielbahn hinter sich gelassen, taucht man für vier Stunden in eine Welt der Stille ein, in der man unter Garantie keine anderen Golfer zu sehen bekommt, es sei denn, man spielt der vorher gestarteten Gruppe in die Hacken. Leider gingen in der Nacht vor unserem Besuch in Dundarave monsunartige Regenfälle über den Platz nieder und verwandelten jeden der 120 Bunker, die sonst mit dem für diese Insel typischen roten Sand gefüllt sind, in rot gefärbte Schlammlöcher. Eine Niete aus dem Bunker würde sich über eine Platzregel in Dundarave freuen, die für genau diesen Fall für jeden Ball, der in einer dieser 120 Fallen landet, straffreie Erleichterung ausserhalb des Bunkers vorschreibt, aber wie wir gemerkt haben, macht Golf nur dann Spass, wenn man Bunkerschläge auch wirklich spielen muss, und das ist heute hier leider nicht der Fall. Nach hitzigen Diskussionen kommen wir nach all den Runden zum Ergebnis, dass Dundarave sich die Krone für den besten Golfplatz auf PEI mit Crowbush und im nächsten Jahr auch mit Green Gables teilen muss, allerdings nur, wenn es zuvor nicht allzu ausgiebig geregnet hat und die Bunker wirklich Bunker sind.

Zwölf Tage auf einer Insel, deren Namen wir noch nie gehört hatten, liegen hinter uns und beeindruckt von der Menge vorzüglicher Golfplätze hier, ganz im Südwesten Kanadas, steigen wir wieder in eine kleine Maschine, die uns dieses Mal nach Toronto bringen wird.. Wir werden vieles vermissen: das Lobstersub, das kanadische Spielgeld und hausgebrautes Bier … Eines steht jedoch fest: Wir haben eine neue Golfdestination der Superlative entdeckt, die momentan noch abseits der Trampelpfade des internationalen Golftourismus liegt und gerade deshalb ein echtes Juwel ist. Diese Insel ist tatsächlich Golf Island.

Wegweiser:

ANREISE
Ab Deutschland mit Air Canada via Montreal nach Charlottetown. Interessanterweise ist New York von Prince Edward Island mit dem Auto innerhalb von ca. 12 Stunden zu erreichen. Es gibt eine Brückenverbindung zum Festland. Auf der Insel benötigen Sie einen Mietwagen, auf ein Navi kann verzichtet werden.

Individuelle Reiseangebote erstellt das Team von Kinzelreisen

Eagles Glenn
Par 72, 18 Loch, 6.100 Meter
Killerloch: Loch Nummer 8, 560 Meter langes Par 5 mit leichtem bis sehr starkem Gegenwind. Ein Par fühlt sich hier wie ein Birdie an.
GolfPunk-Urteil: Abwechslungsreich mit vielen Schräglagen, aber etwas zu weiche Grüns. Dankbarer Platz für alle Spielstärken.
www.eaglesglenn.com

Andersons Creek Golf Course
Par 72, 18 Loch, 6.050 Meter
Killerloch: Nummer 15, es gilt ca. 200 Meter Waste Area zu überqueren, bis endlich das Fairway ins Spiel kommt. Das Grün ist stark erhöht, man kann die Fahnenposition nicht einsehen. Mit 350 Metern nicht sehr lang, aber tricky.
GolfPunk-Urteil: Grossartiges Design, das das gesamte Schlagrepertoire fordert. Die besten Grüns auf Prince Edward Island. Top-5-Platz.
www.andersonscreek.com

Fox Meadow
Par 72, 18 Loch, 6.140 Meter
Killerloch: Nummer 7, ein Par 3, dessen Grün bergab auf einer Halbinsel liegt. Jan war einen Kinderdaumenbreit vom ersten Hole in one entfernt.
GolfPunk-Urteil: Empfehlenswerter Parkland-Kurs, der im Kontext der hochklassigen Plätze minimal zurücksteht. Gehört bei einer ausgedehnten Golftour in jedem Fall unter die Top 10.
www.foxmeadow.pe.ca

Glasgow Hills
Par 72, 18 Loch, 6.240 Meter
Killerloch: Nummer 9, ein relativ kurzes Par 4 mit einem reinrassigen Inselgrün nach einem Dogleg. Hier muss man den richtigen Anspielwinkel finden, sonst droht der Untergang.
GolfPunk-Urteil: Top-Pflegezustand, sehr abwechslungsreich mit massig altem Baumbestand, Glasgow Hills gehört zur Oberklasse auf PEI.
www.glasgowhills.com

Green Gables
Par 72, 18 Loch, 6.300 Meter
Killerloch: Nummer 6, ein prächtiges Par 5 in der Nähe der Küste mit einigen surrealen Bunkern rund ums Grün.
GolfPunk-Urteil: Das Kronjuwel unter den PEI-Plätzen wurde erst am 1. August wiedereröffnet. Eine Mischung aus Parkland- und Links-Platz mit rohem Zuschnitt und aussergewöhnlicher Atmosphäre.
www.greengablesgolf.com

Dundarave
Par 72, 18 Loch, 6.300 Meter
Killerloch: Nummer 12, ein tückisches Par 4 mit einem Wasserhindernis in der Drive-Landezone und fiesen Bunkern rund um ein gnadenlos onduliertes Grün. Ein Par ist hier ein Grund zum Feiern.
GolfPunk-Urteil: Neben Crowbush und Green Gables ein Must Play auf der Insel. Für derlei Plätze zahlt man in den USA oder Europa locker 100-300 Euro Greenfee.
www.greengablesgolf.com

The Links at Crowbush Cove
Par 72, 18 Loch, 6.200 Meter
Killerloch: Es gibt einige, hier die besten: Nummer 5 (irres Par 5 mit Halbinselgrün), Nummer 11 (surreale Aussicht von den Backtees) und 17, das vielleicht bizarrste Par 3 der Insel. Sie sehen eine Fahnenspitze und eine Hecke. Viel Erfolg.
GolfPunk-Urteil: Beinahe schon kitschig schön und ein absolutes Muss!
www.golflinkspei.com

Mill River
Par 72, 18 Loch, 6.150 Meter
Killerloch: Nummer 7, 10 Wasserhindernisse, die mit vier Brücken die beiden Fairway-Teile verbinden. Drüber müssen Sie in jedem Fall, denn das Grün liegt erhöht auf der linken Seite. Äusserst skurril.
GolfPunk-Urteil: Licht und Schatten – zu viele Löcher, die einfach nur durch Waldschneisen führen, dafür ist der Rest reine Weltklasse. Pflegezustand ist top.
www.golflinkspei.com

Artikel wurde vom GOLFPUNKMAGAZIN zur Verfügung gestellt. Download

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