Prince Edward Island oder PEI Die
Macher des Golfpunkmagazines auf Entdeckungstour
Gibt es einen Ort auf dieser Welt, an dem die Golfplätze so reizvoll wie in
Schottland, der Sommer so angenehm wie am Bodensee und die Preise so lachhaft
niedrig wie in Bulgarien sind? Ja, diesen Ort gibt es, und auch wir haben ihn
gerade erst entdeckt.
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Chefredakteur Götz klingt erwartungsvoll am Telefon:
„Zück’ mal deinen Kalender! In zwei Wochen fliegen wir für zwölf Tage nach
Prince Edward Island. Was man so hört, müssen die Plätze da drüben phantastisch
sein.“
„Da drüben …“, geht es mir durch den Kopf, „wo das wohl sein mag?“ Ohne Lust,
diese geographische Bildungslücke offen zur Schau zu stellen, murmle ich etwas
wie: „Prince Edward Island? Cool, da wollte ich immer schon mal hin“, und
versuche gleichzeitig, den gerade zum ersten Mal im Leben gehörten Namen
irgendwo auf dem Globus unterzubringen. „Klingt irgendwie nach Karibik …“, und
in Gedanken packe ich schon mein Strandtuch und Badesachen ein. „Tu nicht so,
als ob du wüsstest, wo das liegt“, lacht es hämisch aus dem Hörer. „Ich hatte
auch keine Ahnung! Zur Info: PEI, wie die Einheimischen sagen, ist eine Insel an
der kanadischen Ostküste.“ „Also doch keine Badehose, sondern Windbreaker und
Pullover“, denke ich mir. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen soll …
Zwei Wochen später sitzen zwei GolfPunk-Redakteure an Bord einer Air Canada
Boeing nach Montreal, von wo aus es nur noch ein Katzensprung in einem kleinen
Jet nach Charlottetown, der Hauptstadt der Insel, ist. Keiner von uns beiden war
bisher in Kanada und unsere Erwartungen sind dementsprechend dilettantisch.
Sehen die Kanadier wirklich aus wie in South Park? Hatte Homer Simpson recht,
als er sich darauf freute, mit seiner Familie nach Kanada zu fahren: „Juhu, wir
verlassen die USA, um USA-Junior im Norden zu besuchen!“? Die Antworten nach
zwölf Tagen intensiver Recherche lauten wie folgt: Nein und Ja.
South-Park-Kopfformen konnten wir keine finden und zu
unserer Enttäuschung auch keine Bären. Die Nähe zu den USA (Boston liegt nur
eine Tagesfahrt mit dem Auto entfernt) ist jedoch allgegenwärtig. Die Pick-ups
der Einheimischen lassen unseren japanischen Mietwagen lächerlich klein aussehen
und global operierende Fastfood-Ketten finden sich an jeder Strassenecke. Der
Kanadier liebt ganz offensichtlich Sandwiches, denn die Dichte der
Subway-Filialen auf dieser Insel mit lediglich 140.000 Einwohnern ist höher als
in einer deutschen Grossstadt. Eigentlich wäre das nicht weiter erwähnenswert,
auf PEI gibt es jedoch das Lobstersub! Allein wegen dieses Snacks lohnt sich ein
Urlaub hier, denn für die Menge Hummerfleisch, mit der dieses Sub belegt ist,
müsste man in Deutschland schon 15 € auf den Tisch legen. Seafood-Liebhaber
kommen hier also sogar in Fastfood-Schuppen auf ihre Kosten, leicht vorstellbar
also, was anständige Restaurants wie das Dayboat in Oyster Bay Bridge oder eines
der unzähligen Lobster Suppers an der Küste zu bieten haben. Einfach
fantastisch! Wir sind jedoch hier, um Golf zu spielen, und unser Zeitplan sieht
eine Runde pro Tag für den gesamten Aufenthalt vor. Mögen die Spiele
beginnen! STANHOPE Für die erste Woche
beziehen wir Quartier im Stanhope Beach Resort, einem Strandhotel an der Grenze
zum Nationalpark von PEI, von wo aus nahezu alle Golfplätze der Insel in unter
einer Stunde erreichbar sind. Zu jedem Zimmer gehört eine eigene Terrasse mit
Blick auf eine Bucht und auch die Infobroschüren auf dem Nachttisch lassen
Spektakuläres erwarten. Eine zweistellige Zahl von Golfplätzen auf dieser Insel
soll das Prädikat „outstanding“ tragen. Eagles Glenn, der erste Platz auf
unserer langen Liste, die es in den nächsten knapp zwei Wochen abzuspielen gilt,
empfängt uns schon vor der Einfahrt mit typisch kanadischer Gastfreundschaft.
„Special Offer: 2 Greenfees =
99 $“, versucht ein
grosses Schild Laufkundschaft von der Strasse anzulocken. Bevor wir den
ersten Ball geschlagen haben, dämmert uns, dass es auf PEI
um das Preis-Leistungsverhältnis nicht schlecht bestellt ist. 99 kanadische Dollar entsprechen
einem Gegenwert von etwa 63 € und schon nach neun Löchern in
Eagles Glenn sind wir uns einig, dass wir nirgendwo in Europa einen Platz
dieser Qualität finden könnten, der uns für lächerliche 30 € Greenfee eine
Runde drehen liesse. Optisch ist Eagles Glenn exakt das, was wir uns unter
einem Golfplatz in Kanada vorgestellt hatten. Die Spielbahnen verlaufen
durch hügliges Gelände, manche davon durch dichten Wald, andere über offene, völlig
dem teilweise richtig starken Wind ausgesetzte Anhöhen. Dass einer unserer Mitspieler mit
Linkshänderschlägern spielt, uns während der Runde allerdings erzählt, ausserhalb des Golfplatzes wäre er Rechtshänder, gibt
uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken.
Zurück in Stanhope ärgere ich mich schon am zweiten Abend, das Klima hier
völlig falsch eingeschätzt zu haben. All die Windjacken und Pullover, die in
meinem Koffer den leichten Sommerklamotten den Platz weggenommen haben, sind
völlig fehl am Platze. Der Sommer hier an der kanadischen Ostküste ist heiss,
aber niemals unangenehm drückend. Wie es sich für eine Insel gehört, kann man
allerorts das Meer schmecken und ein allgegenwärtiger Wind lässt auch
Temperaturen jenseits der 30 ° angenehm erscheinen. Nur wenige Minuten
Fussmarsch hinter unserem Hotel befindet sich Brackley Beach, einer der
schönsten Strände der Insel mitten im Prince Edward Island National Park. Eine
etwa sieben Meter hohe Brücke dient als Sprungbrett ins Meer und nach 18 Löchern
unter sengender Sonne habe ich in diesem Moment auf nichts mehr Lust als auf
diesen Sprung. Einen Augenblick überlege ich mir, auf die vergessenen Shorts zu
pfeifen und einfach ohne ins Meer zu springen, aber FKK war noch nie mein Ding
und im prüden Nordamerika kommt Nacktbaden am helllichten Tag nicht gut an. Die
Landschaft, das Meer und der Strand erinnern stark an Sylt oder auch Long
Island. Einziger Unterschied sind die Preise der Fischrestaurants in den Dünen,
die einen darüber nachdenken lassen, vielleicht auch zum Frühstück schon einen
Hummer zu verputzen.
Am nächsten Morgen warten wir am ersten Abschlag des
Anderson Creek Golf Clubs auf unseren Mitspieler und was da den Weg zum Tee
entlangschlendert, sieht aus wie der Prototyp eines kanadischen
Eishockeyspielers: gedrungene Figur, breites Kreuz. Lediglich die Tatsache, dass
Alex, wie er sich uns vorstellt, scheinbar noch über alle Zähne verfügt, passt
nicht so ganz in dieses Bild. „Dieser Typ ist sicher verdammt lang“, orakelt
Götz und keine Minute später sollte sich diese Annahme eindrucksvoll
bewahrheiten. Mit einem Geräusch, wie wir es von einem Driver noch nie gehört
haben, drischt Alex auf seinen Ball, der augenblicklich in der Stratosphäre
verschwindet. Dass dieser Ball wahrscheinlich 300 Meter links, ausserhalb des
Golfplatzareals irgendwo auf einem Kartoffelfeld landen wird, schmälert unser
Staunen nur geringfügig. „DAMMIT, ich bin noch ganz kalt“, flucht Alex in einer
sonderlichen Mischung des hier auf PEI gesprochenen Inselkauderwelschs mit
eindeutig schottischen Einschlägen. „Aber wenn ich das heute noch in den Griff
bekomme, könnt ihr euch auf eine Show gefasst machen. Ich habe schon mehr als
die Hälfte der Par-4-Bahnen mit dem Abschlag erreicht.“ Mir stockt der Atem und
ein Blick Richtung Götz zeigt mir, dass er sich in diesem Moment die gleiche
Frage stellt: „Long Drive Champion oder Grossmaul?“. Als auf der zweiten Bahn,
einem 317 Meter langen Par 4, Alex’ Drive 5 Meter rechts vom Grün, aber – viel
wichtiger – Pin-high landet, ist diese Frage geklärt: Wir sind offiziell
beeindruckt.
Auch Alex spielt mit Linkshänderschlägern. Als er seine astronomisch
hohen Scores – schliesslich landet jeder zweite Abschlag irgendwo ausserhalb des
Platzes – auf seine Scorekarte kritzelt, fällt jedoch wieder einmal auf, dass er
mit rechts schreibt. In all den Jahren, die wir uns nun mit diesem Sport
beschäftigen, ist uns nur ein Golfer zu Gesicht gekommen, der zwar Rechtshänder
ist, aber andersherum Golf spielt: Phil Mickelson. Und hier in Kanada haben wir
schon nach drei Tagen zwei weitere Exemplare dieser raren Spezies ausgegraben?
Die Erklärung für dieses Phänomen ist eben so simpel wie einleuchtend. „Hockey
hat bei uns in etwa den Stellenwert, den bei euch in Europa Fussball geniesst“,
erklärt Alex. „Vielleicht ist Hockey hier sogar noch grösser. Das ist unsere
Religion und jeder spielt es. Ob man den Schläger links- oder rechtsherum hält,
hat nichts damit zu tun, mit welcher Hand man schreibt, und da viele
Hockeyspieler Linksausleger sind, greifen die meisten dieser Jungs auch auf dem
Golfplatz zu Linkshänderschlägern.“
Glaubwürdigen Schätzungen führender Schlägerhersteller zufolge spielen etwa 40 % aller kanadischen Golfer mit
Linkshänderequipment, was Kanada zum unangefochten grössten Markt für Linkshänderschläger weltweit macht.
Auf das Design der Golfplätze hat diese erstaunliche nationale Eigenart, wie Alex uns bestätigt, allerdings
keine Auswirkung. Obwohl die Mehrheit deutlich knapper ausfällt, werden auch hier die Golfplätze
für Rechtshänder geplant und gebaut.
In den darauffolgenden Tagen spielen wir uns kreuz und quer über die Insel
und überall, wo wir unsere Tees in den Boden drücken dürfen, sind wir
begeistert. In Fox Meadow begleiten uns braune Füchse über die Spielbahnen und
schauen uns interessiert beim Putten zu – ein fast vollwertiger Ersatz für die
fehlenden Bären – und auch Glasgow Hills macht seinem Namen alle Ehre.
Dramatische Höhenunterschiede machen diesen Platz zu einem wahren Abenteuer.
Das Highlight unserer ersten Woche auf PEI ist aber ohne Zweifel The Links at
Crowbush Cove. Gelegen an der Nordküste der Insel wurde Crowbush im
Eröffnungsjahr 1994 als „Best New Course“ in Kanada ausgezeichnet. Die 18 Bahnen
sind eine gelungene Mischung aus von Bäumen flankierten Löchern durch dichten
Mischwald und völlig dem Wind ausgesetzten Linksbahnen inmitten beeindruckender
Dünen. Höhepunkte bietet der Links in Crowbush jede Menge, vor allem aber die
Par-3-Löcher bleiben in Erinnerung. Die Acht (171 Meter von den Back-Tees) wirkt
wie eine gezähmte Version der 17 des weltberühmten Ocean Course auf Kiawah
Island und auch die 17 in Crowbush vergisst man trotz ihrer eigentlich
lachhaften Länge von gerade einmal 103 Metern nicht so schnell. Auf der Driving
Range warten zu Pyramiden aufgeschichtete nagelneue Rangebälle, das auf einer
Anhöhe gebaute Restaurant bietet einen sagenhaften Blick über den Golfplatz und
das Meer und das Cartgirl schaut unglaublicherweise alle vier Löcher vorbei und
versorgt die Spieler mit eiskaltem Gatorade. Kurzum – der Service ist
perfekt.
Gerade als wir denken, dieser Golftag könnte gar nicht mehr besser werden,
klingelt das Handy des Chefs und Alex, unser „Ich drive jedes zweite Par 4“-Mann
überschlägt sich fast: „Euer Magazin ist einsame Spitze und übermorgen steigt
die Eröffnung des Green Gables Golf Course. Dieser Golfplatz wurde 1939 von
Stanley Thompson designet und zählte immer schon zu den besten in Kanada. Die
letzten eineinhalb Jahre wurde er komplett überarbeitet und ist nun besser denn
je. Wir wollen GolfPunk bei der Eröffnung dabeihaben. Die gesamte Prominenz der
Insel wird am Start sein. Was sagt ihr dazu?“ „Scheisst der Papst in den Wald?
Natürlich sind wir da …“ Ob er das mit dem Papst verstanden hat?
CHARLOTTETOWN Nach einer Woche im Stanhope Beach Resort
verlegen wir unseren Wohnsitz ins historische Zentrum von Charlottetown. Unser
Domizil für die nächsten Tage ist ein liebenswertes, altehrwürdiges
Boutique-Hotel namens The Great George, dessen Zimmer allesamt mit unzähligen
Antiquitäten individuell eingerichtet sind, im Gegensatz dazu aber auch über
einen riesigen Flatscreen, einen Kamin, in dem auf Knopfdruck die Flammen
züngeln, und einen grossen Jacuzzi verfügen. Ein fernbedienbarer Kamin und ein
Jacuzzi, das mag zwar ein wenig nach 70er–Jahre-Bräuteabschleppschuppen klingen,
entpuppt sich am späten Abend nach 18 Löchern Golf jedoch als absolute
Wohltat.
Nach Tagen der völligen Ruhe und Entspannung in Stanhope ist Charlottetown
eine willkommene Abwechslung. Mit 32.000 Einwohnern ist diese Stadt mit Abstand
die grösste Ansammlung von Menschen auf dieser Insel und hat trotz ihrer
überschaubaren Grösse einiges zu bieten, um die freie Zeit zwischen den
Golfrunden totzuschlagen. Es gibt unzählige Kneipen, ein grosses Theater, eine
Mall und eine Trabrennbahn, auf die uns unser Local Barry unbedingt mitnehmen
will. Zunächst skeptisch gegenüber dieser Abendplanung, die wir eigentlich eher
einer Rentnergruppe zugetraut hätten, verfliegen unsere Vorurteile schnell, als
wir merken, wie viele Dollars wie für ein paar unserer Euros bekommen, und
realisieren, dass es nicht im finanziellen Ruin enden muss, ein Vielfaches
dessen auf die im Kreis rennenden Pferde zu setzen, als es unsere Begleiter tun.
„Schaut euch die Europäer an! Unsere Dollars müssen ihnen wie Spielgeld
vorkommen“, grinsen unsere Gastgeber und bleiben beim Minimaleinsatz von zwei
Dollar. Unter 20 Dollar fangen wir erst gar nicht an zu wetten und gewinnen
sogar bei den ersten drei Rennen. Das Adrenalin fliesst, der Übermut nimmt zu
und wir setzten alles auf einen Gaul mit dem Namen „U Da Man Dude“, der
natürlich prompt als Letzter durchs Ziel geht, womit all unser gewonnenes Geld
futsch ist. Was will man auch erwarten bei solch einem bescheuerten Namen?
Die Platzeröffnung in Green Gables ist ein gesellschaftliches Ereignis. Der
lokale Bautycoon, Financier des gesamten Umbaus, hat die Ehre, den goldenen Ball
vom ersten Tee zu schlagen, und slicet diesen formvollendet in den Wald. Alex,
wie sich nun herausstellt Sohn des Slicers, hält eine flammende Rede über die
Geschichte des Golfplatzes und darüber, welchen Stellenwert er in nach diesem
Komplettfacelift wieder in der kanadischen Golfszene haben wird, und lässt sich
nicht davon abhalten, uns als Vertreter der internationalen Presse vorzustellen,
die extra angereist sind, um diesem Event beizuwohnen. Sofort sind wir der
Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und der Reporter des Guardian, der Tageszeitung
auf PEI, wittert eine Sensationsstory für sein Lokalblatt. Ohne ein Interview
lässt er uns nicht aufs erste Tee und es ist eine spassige Erfahrung, einmal
selbst befragt zu werden, wo wir doch sonst immer auf der anderen Seite
stehen.
Als die Presse ihr Material hat, können wir endlich
abschlagen und haben die Ehre, als Erste einen Platz zu spielen, über den seit
eineinhalb Jahren kein Golfer mehr geschritten ist. Divots sucht man vergebens,
die Bunker sind gefüllt mit feinstem, weil nagelneuem Sand und die Grüns wissen
noch nicht, was Pitchmarken sind. An einigen Stellen lässt es sich zwar nicht
übersehen, dass dieser Platz noch ein wenig Zeit braucht, bis er in voller Blüte
stehen wird, aber spätestens zur nächsten Golfsaison wird Green Gables in
absolutem Topzustand sein und zu Kanadas besten Golfplätzen zählen. Der Verlauf
der Bahnen durch dichten Wald und entlang der Buchten bei Carvendish hat in den
69 Jahren seines Bestehens nichts an Schönheit und Brillanz verloren und
verbindet sich nun mit hochmodernem Bunker- und Gründesign zu einem Golfplatz
der Extraklasse. Nach 18 atemberaubenden Löchern sind wir uns einig, den
zukünftig besten Golfplatz auf PEI gespielt zu haben, und machen uns über das
Buffet her, das zur Feier des Tages im Clubhaus aufgebaut ist, denn der Abend
verspricht mehr flüssige als feste Nahungsmittel – eine Tour durch
Charlottetowns bunte Szene kleiner Pubs steht an.
»Abseits der Trampelpfade des
internationalen Golftourismus haben wir eine Destination der Superlative
entdeckt.«
Im historischen Distrikt finden sich viele Kneipen, die hervorragende lokale Biere ausschenken. Das
beste darunter: die Gahan Brewery, wo selbst gebrautes dunkles Ale und
Stout gezapft werden. Jeder, der durch die Eingangstür des Gahan Brew
tritt, kann sich glücklich schätzen, dass die Heimwege in dieser Stadt
niemals lang sind. Das Frühstück am nächsten Morgen nehmen wir nach diesem Abend ein wenig
verlangsamt wahr, ein Blick in den Guardian macht uns jedoch schnell wieder
munter. Die „German Writers“ haben es, wir können es kaum glauben,
auf die Titelseite geschafft.
Noch eine letzte Runde Golf steht aus; der Name des Platzes war uns während
unserer Zeit auf der Insel immer wieder begegnet: Dundarave Golf Course. Mit
Jack Nicklaus und Tom Watson haben schon Legenden des Spiels diesem 1999
eröffneten Monster von einem Golfplatz die Ehre erwiesen und wie schon die alten
Herren vor uns merken auch wir schnell, was die Stunde in Dundarave geschlagen
hat. Gelände stand beim Design dieser 18 Löcher genügend zur Verfügung und so
schlängeln sich die Spielbahnen in einer endlos erscheinenden Schleife den
Brudenell River entlang. Dundarave ist lang und die Strecken zwischen den Bahnen
sind teilweise so weit, dass auch eingefleischte Golfcart-Verweigerer hier über
ein Gefährt nachdenken sollten. Was Dundarave allerdings zwischen Abschlägen und
Grüns zu bieten hat, ist spektakulär. Jede Bahn liegt allein und völlig isoliert
in einer fast schon beklemmend abgeschiedenen Landschaft und kaum hat man die
erste Spielbahn hinter sich gelassen, taucht man für vier Stunden in eine Welt
der Stille ein, in der man unter Garantie keine anderen Golfer zu sehen bekommt,
es sei denn, man spielt der vorher gestarteten Gruppe in die Hacken. Leider
gingen in der Nacht vor unserem Besuch in Dundarave monsunartige Regenfälle über
den Platz nieder und verwandelten jeden der 120 Bunker, die sonst mit dem für
diese Insel typischen roten Sand gefüllt sind, in rot gefärbte Schlammlöcher.
Eine Niete aus dem Bunker würde sich über eine Platzregel in Dundarave freuen,
die für genau diesen Fall für jeden Ball, der in einer dieser 120 Fallen landet,
straffreie Erleichterung ausserhalb des Bunkers vorschreibt, aber wie wir
gemerkt haben, macht Golf nur dann Spass, wenn man Bunkerschläge auch wirklich
spielen muss, und das ist heute hier leider nicht der Fall. Nach hitzigen
Diskussionen kommen wir nach all den Runden zum Ergebnis, dass Dundarave sich
die Krone für den besten Golfplatz auf PEI mit Crowbush und im nächsten Jahr
auch mit Green Gables teilen muss, allerdings nur, wenn es zuvor nicht allzu
ausgiebig geregnet hat und die Bunker wirklich Bunker sind.
Zwölf Tage auf einer Insel, deren Namen wir noch nie gehört hatten, liegen
hinter uns und beeindruckt von der Menge vorzüglicher Golfplätze hier, ganz im
Südwesten Kanadas, steigen wir wieder in eine kleine Maschine, die uns dieses
Mal nach Toronto bringen wird.. Wir werden vieles vermissen: das Lobstersub, das
kanadische Spielgeld und hausgebrautes Bier … Eines steht jedoch fest: Wir haben
eine neue Golfdestination der Superlative entdeckt, die momentan noch abseits
der Trampelpfade des internationalen Golftourismus liegt und gerade deshalb ein
echtes Juwel ist. Diese Insel ist tatsächlich Golf Island.
Wegweiser:
ANREISE Ab Deutschland mit Air Canada via Montreal nach Charlottetown.
Interessanterweise ist New York von Prince Edward Island mit dem Auto innerhalb
von ca. 12 Stunden zu erreichen. Es gibt eine Brückenverbindung zum Festland.
Auf der Insel benötigen Sie einen Mietwagen, auf ein Navi kann verzichtet
werden.
ÜBERNACHTEN Stanhope Beach Resort Rustikales Beach Resort mit
grossartiger Atmosphäre. In der auf historisch getrimmten Lobby stehen bspw.
rund um die Uhr kostenlos Erfrischungen sowie frisch gebackene Cookies und
Kaffee für die Gäste bereit. www.stanhopebeachresort.com
The Great George Historisches Gebäude mit aussergewöhnlichen Zimmersuiten.
Jedes Zimmer mit unterschiedlicher Interieur-Thematik und eigenem Whirlpool
sowie kostenlosem WLAN, grossem Flachbild-TV und Kamin. www.thegreatgeorge.com
COURSE YOU CAN Detaillierte Informationen zu allen wichtigen Golfplätzen
auf Prince Edward Island finden Sie unter www.golfpei.ca
Eagles Glenn Par 72, 18 Loch, 6.100 Meter Killerloch: Loch Nummer 8,
560 Meter langes Par 5 mit leichtem bis sehr starkem Gegenwind. Ein Par fühlt
sich hier wie ein Birdie an. GolfPunk-Urteil: Abwechslungsreich mit vielen
Schräglagen, aber etwas zu weiche Grüns. Dankbarer Platz für alle
Spielstärken. www.eaglesglenn.com
Andersons Creek Golf Course Par 72, 18 Loch, 6.050 Meter Killerloch:
Nummer 15, es gilt ca. 200 Meter Waste Area zu überqueren, bis endlich das
Fairway ins Spiel kommt. Das Grün ist stark erhöht, man kann die Fahnenposition
nicht einsehen. Mit 350 Metern nicht sehr lang, aber tricky. GolfPunk-Urteil:
Grossartiges Design, das das gesamte Schlagrepertoire fordert. Die besten Grüns
auf Prince Edward Island. Top-5-Platz. www.andersonscreek.com
Fox Meadow Par 72, 18 Loch, 6.140 Meter Killerloch: Nummer 7, ein Par
3, dessen Grün bergab auf einer Halbinsel liegt. Jan war einen Kinderdaumenbreit
vom ersten Hole in one entfernt. GolfPunk-Urteil: Empfehlenswerter
Parkland-Kurs, der im Kontext der hochklassigen Plätze minimal zurücksteht.
Gehört bei einer ausgedehnten Golftour in jedem Fall unter die Top 10. www.foxmeadow.pe.ca
Glasgow Hills Par 72, 18 Loch, 6.240 Meter Killerloch: Nummer 9, ein
relativ kurzes Par 4 mit einem reinrassigen Inselgrün nach einem Dogleg. Hier
muss man den richtigen Anspielwinkel finden, sonst droht der
Untergang. GolfPunk-Urteil: Top-Pflegezustand, sehr abwechslungsreich mit
massig altem Baumbestand, Glasgow Hills gehört zur Oberklasse auf PEI. www.glasgowhills.com
Green Gables Par 72, 18 Loch, 6.300 Meter Killerloch: Nummer 6, ein
prächtiges Par 5 in der Nähe der Küste mit einigen surrealen Bunkern rund ums
Grün. GolfPunk-Urteil: Das Kronjuwel unter den PEI-Plätzen wurde erst am 1.
August wiedereröffnet. Eine Mischung aus Parkland- und Links-Platz mit rohem
Zuschnitt und aussergewöhnlicher Atmosphäre. www.greengablesgolf.com
Dundarave Par 72, 18 Loch, 6.300 Meter Killerloch: Nummer 12, ein
tückisches Par 4 mit einem Wasserhindernis in der Drive-Landezone und fiesen
Bunkern rund um ein gnadenlos onduliertes Grün. Ein Par ist hier ein Grund zum
Feiern. GolfPunk-Urteil: Neben Crowbush und Green Gables ein Must Play auf
der Insel. Für derlei Plätze zahlt man in den USA oder Europa locker 100-300
Euro Greenfee. www.greengablesgolf.com
The Links at Crowbush Cove Par 72, 18 Loch, 6.200 Meter Killerloch: Es
gibt einige, hier die besten: Nummer 5 (irres Par 5 mit Halbinselgrün), Nummer
11 (surreale Aussicht von den Backtees) und 17, das vielleicht bizarrste Par 3
der Insel. Sie sehen eine Fahnenspitze und eine Hecke. Viel
Erfolg. GolfPunk-Urteil: Beinahe schon kitschig schön und ein absolutes
Muss! www.golflinkspei.com
Mill River Par 72, 18 Loch, 6.150 Meter Killerloch: Nummer 7, 10
Wasserhindernisse, die mit vier Brücken die beiden Fairway-Teile verbinden.
Drüber müssen Sie in jedem Fall, denn das Grün liegt erhöht auf der linken
Seite. Äusserst skurril. GolfPunk-Urteil: Licht und Schatten – zu viele
Löcher, die einfach nur durch Waldschneisen führen, dafür ist der Rest reine
Weltklasse. Pflegezustand ist top. www.golflinkspei.com
Individuelle Reiseangebote erstellt das Team von Kinzelreisen  |